Idyllische deutsche Kleinstädte: Radebeul

 

Schloss Wackerbarth - Foto: Gabriele Delhey/Wikipedia

Schloss Wackerbarth, Radebeul – Foto: Gabriele Delhey/Wikipedia

Radebeul hat alles, was ein idyllisches Städtchen ausmacht. Das haben vor uns, zugegeben, schon viele andere gemerkt. Radebeul war und ist nämlich begehrter Wohnort zahlreicher Künstler – unter ihnen Maler, Bildhauer und Schriftsteller (der berühmteste war wohl Gerhart Hauptmann, und auch sein Bruder Carl lebte hier). Auch politische Prominenz aus der benachbarten Landeshauptstadt Dresden ließ und lässt sich gerne in Radebeul nieder.

Was also macht Radebeul zu einem idyllischen Städtchen? Zunächst seine anmutige Lage zwischen dem Elbufer einerseits und den sanft ansteigenden Weinhängen auf der anderen Ortsseite. Vom Ortszentrum aus schweift bis heute der Blick auf 85 ha Weinhänge, darunter etliche Steillagen. Hat man einen Hang erklommen – am schönsten über die „Spitzhaustreppe“, auf deren 397 Stufen man geradlinig durch Wein nach oben gelangt – ist der Blick zurück nach unten mindestens ebenso schön, und am besten ist er vom nahen Panorama-Restaurant Spitzhaus aus.

Der Wein gedeiht in Radebeuls Lagen (Großlage Lößnitz) besonders gut – das milde Klima macht es möglich. Wegen seiner Jahresdurchschnittstemperatur von 9,2 Grad Celsius wurde der Ort auch als „sächsisches Nizza“ bezeichnet, und außer Wein werden hier auch anspruchsvolle Obstsorten angebaut. Vegetation und Feeling erinnern aber wohl eher an das Meraner Becken als an Südfrankreich – wenn man denn solche Vergleiche anstellen will.

Dass dieses heimelige Ambiente viel Prominenz anzog, wurde schon erwähnt. Und die errichtete hier so manche Augenweide an Wohnhäusern, in der Summe zwei gartenstadtähnliche Villenviertel. Sie sind durchsetzt von Grün, abwechslungsreich gestaltet und laden ebenso sehr wie die Weinhänge zum Flanieren ein.

 

Karl May Museum Gewehre - Foto: Immanuel Giel/Wikipedia

Karl May Museum Gewehre – Foto: Immanuel Giel/Wikipedia

Wenn auch der berühmteste Resident Radebeuls der bereits erwähnte Gerhart Hauptmann war – der bekannteste war er nicht. Dieses Vorrecht darf wohl Karl May für sich beanspruchen, der Erfinder Winnetous, Old Shatterhands und der anderen Figuren seiner „Reiseerzählungen“. Er schrieb sie in seinem Arbeitszimmer in der „Villa Shatterhand“, dem heutigen Karl-May-Museum (Adresse: Karl-May-Straße 5, website: http://www.karl-may-museum.de). Das Arbeitszimmer mit den Originalmöbeln kann besichtigt werden. Zum Museum gehört ebenfalls die im Garten gelegene „Villa Bärenfett“, in denen man unter vielen anderen Requisiten der Western-Welt, der Indianer-Welt und der May-Romane auch die drei berühmtesten Gewehre besichtigen kann: Winnetous Silberbüchse sowie Old Shatterhands Bärentöter und sein Henrystutzen (im Foto von links nach rechts).

So realistisch Karl Mays Erzählungen, auch dank penibler Recherche, teilweise anmuten – Karl May hat alles frei erfunden. Er war nur einmal in Amerika, und nur von wenigen Tagen weiß man nicht was er dort getan hat. An diesen könnte er Winnetou begegnet sein – wenn auch nicht in Wirklichkeit, so doch in seiner Fantasie, wie zuhause in Radebeul am Schreibtisch.

Das idyllische Radebeul hat übrigens ein interessantes Stadtwappen – es zeigt ein Rad und ein Beil, dem Klang des Ortsnamens Radebeul folgend. Man kann es als netten Zufall betrachten, dass das Rad als Symbol der Siedler-Planwagen des Wilden Westens darin ebenso enthalten ist wie das Beil der Indianer, mit dem diese das Vordringen in ihr Land verhindern wollten.

Summa summarum ist Radebeul nicht nur idyllisch, sondern auch ein Spiegel vieler Abenteuer. Wenn Sie nach Radebeul fahren und Kinder haben – nehmen Sie sie unbedingt mit!

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